KRIENS ? Die Albert Koechlin Stiftung nimmt einen neuen Anlauf zur Erneuerung des Gasthauses. Der Wallfahrtsort soll insgesamt aufgewertet werden - unter anderem mit einer neuen «Pilgerstube».

16. Dezember 2016, 16:00

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Hugo Bischof
hugo.bischof(a)stadtluzern.ch

Das dringend sanierungsbedürftige Gasthaus Hergiswald oberhalb von Kriens soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Das teilte die Albert Koechlin Stiftung (AKS) mit. Die Stiftung übernahm die zum Wallfahrtsort Hergiswald gehörenden Gebäude - deren Prunkstück ist die Kirche mit der wertvollen Loretokapelle - 2002 im Baurecht von der Kapellenstiftung Hergiswald (Kirchgemeinde Luzern).

Die Kirche selber wurde 2003 bis 2006 erfolgreich gesamtsaniert. Beim 1795 erbauten Gasthaus gleich daneben sah die AKS von Anfang an einen Neubau vor. Ein erstes Projekt - an einem leicht veränderten Standort -, das 6 Millionen Franken kosten sollte, wurde 2002 jedoch fallengelassen. Grund dafür war Widerstand in der Bevölkerung. Ein Komitee sammelte 2500 Unterschriften gegen das Projekt. Gegner bezeichneten den geplanten Neubau als «hässlichen Betonblock». Zwei  Verbände gingen mit Einsprachen bis vors Bundesgericht.

 

 

 

 

 
 

Auf alten Grundmauern ruhender neuer Holzbau

Die Albert Koechlin Stiftung legt nun ein neues Projekt vor. Demnach soll das Gasthaus durch einen auf den bestehenden Grundmauern ruhenden viergeschossigen Holzbau mit Giebeldach ersetzt werden. Der Standort bleibt unverändert; die Grundabmessungen des Hauptkörpers entsprechen denjenigen des bestehenden Gebäudes. Die Albert Koechlin Stiftung hat das von den Architekten Gion A. Caminada (Bauten) und freiraumarchitektur Luzern (Umgebungsgestaltung) erarbeitete Bauprojekt der Gemeinde Kriens zur Bewilligung eingereicht.

«Verschiedene Untersuchungen und Fachgutachten zeigen, dass der Anteil der älteren Bausubstanz des Gasthauses für einen Erhalt zu gering ist», so die Albert Koechlin Stiftung. Im Laufe der Jahrzehnte sei das Haus immer wieder verändert worden. Bei diesen Umbauten seien «mehrere substanzielle Teile des Gebäudes nachlässig behandelt worden». So sei der Blockbau im Obergeschoss nur noch fragmentarisch vorhanden, eine zusammenhängende Struktur «kaum mehr spürbar». Eine rein installations-technische Sanierung im Inneren sei wegen des allgemein schlechten Gebäudezustands deshalb «nicht sinnvoll».

Standort bleibt unverändert

Gemäss Albert Koechlin Stiftung wurde das Neubauprojekt «in einem intensiven Dialog mit den zuständigen Behörden, der Kapellenstiftung als Baurechtsgeberin und vielen weiteren Beteiligten ausgearbeitet». Der Entscheid bezüglich Standort des Ersatzneubaus und Erhalt der Sockelmauern beruhe einerseits auf der «topographisch naheliegenden Einbindung in den Grundkontext» sowie «auf dem Verhältnis von Nähe und Distanz zur Kirche». Anderseits zolle er der Geschichte, dem baulichen Bestand und der damaligen Leistung der Handwerker Respekt: «Denn die Grundmauern aus Naturstein sind die wertvollste noch vorhandene Substanz des Hauses.»

Rythmisch angeordnete Säulen aus neuem Holz sollen das bestehende Fundament verstärken. «Das Alte und das Neue tragen gemeinsam die neue Last», hält die Albert Koechlin Stiftung dazu fest. Grosszügige Verglasungen zwischen den Stützenreihen sollen die öffentlichen Räume für Einheimische und Gäste andeuten: das Restaurant im Erdgeschoss und den Saal im Obergeschoss. Als Konstruktionssystem für den Neubau dient der so genannte «Strickbau». Darunter versteht man das Aufeinanderschichten liegender Hölzer (gleichbedeutend mit Blockbau), das früher im Alpenraum stark verbreitet war, in den letzten Jahrzehnten aber von neuen Holzbauweisen verdrängt worden. «Die Wahl der Strickkonstruktion hat mit dem Vorgängerbau zu tun und mit dem Umstand, dass diese Konstruktion im Kanton Luzern immer noch zu finden ist», so die AKS.
Das neue Gasthaus umfasst ein Restaurant mit 60 Sitzplätzen (innen und aussen), die Küche im Erdgeschoss, einen Saal im 1. Obergeschoss, fünf Gastzimmer im 2. und 3. Obergeschoss sowie eine 4 ½-Zimmerwohnung für den künftigen Pächter im 3. Obergeschoss. Im Sockelgeschoss soll es neu eine «Pilgerstube» geben. «Dieser Raum kann als eine weitere Station für Pilger betrachtet werden, als eine Vermittlung zwischen sakral (Kirche) und profan (Restaurant und Saal)», so die AKS. Der Raum soll auch offen für Gemeinschaften sein, die besondere Anlässe feiern.

 
 

 

 

 

 

 

 

Aufwertung der Natur- und Lebensräume

Zusätzlich wurde ein ganzheitliches Konzept für die Umgebungsgestaltung entwickelt. Ziel ist eine «deutliche Aufwertung der Natur- und Lebensräume auf Hergiswald». Zu diesem Zweck sollen die talseitigen Parkplätze aufgehoben werden, wodurch «der Blick zur Kirche frei wird und die einstige Bachmulde wieder spürbar wird». Als Kompensation entstehen neue, begrünte Parkfelder oberhalb der Scheune.

Störende Elemente sowie standortfremde Pflanzen wie Thujahecken, Kirschlorbeer sollen entfernt und durch einheimische Gehölze ersetzt werden. Mittels Trockenmauern, Extensivflächen, Kleinstrukturen und einen abgestuften Waldrand sollen «neue ökologische Nischen und Lebensräume für Fauna und Flora» entstehen. Konkret soll unter anderem der Lebensraum der auf Hergiswald heimischen Population der stark gefährdeten Geburtshelferkröten (Glögglifrosch) aufgewertet werden. In der Scheune wird eine Pellets-Heizanlage für das Gasthaus eingerichtet; sie soll zunächst die veraltete Ölheizung des Gasthauses und schrittweise weitere bestehende Heizanlagen auf Hergiswald ersetzen.

 

 

 
 

Baubeginn 18. September 2017

Der bisherige Pächter des Gasthauses, Bruno Bühler, hat per Ende 2016 gekündigt. Das Restaurant bleibt bis auf weiteres geschlossen. Das Gasthaus Hergiswald kann frühestens im Herbst 2018 wieder eröffnet werden. Wie hoch die Gesamtkosten des Projekts sind, kann die Albert Koechlin Stiftung zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen.