Hochaltar
Verkündigung & Engelsfenster
Die 1662 geweihte Wallfahrtskirche Hergiswald ob Kriens bei Luzern – aufgrund der exponierten Lage ein Landmark – ist das bedeutendste Loretoheiligtum der Schweiz und gilt als ein Hauptwerk der frühbarocken Sakralkunst (Bauzeit: 1501–1662).
Die aus einer abgeschiedenen Waldkapelle am Fuss des Pilatus entstandene Kirche und deren bemerkenswerte Ausstattung sind praktisch unverändert erhalten: die Santa Casa mit der schwarzen Loretomadonna, die reich geschnitzten Altäre, die theatralisch im Raumgefüge inszenierten Holzplastiken und die farbige Bilderdecke mit geheimnisvollen Symbolen als Lobpreis an die Himmelskönig Maria.
Patrona Lucernae
Christus- und Marienleben
Wundmale Christi
Holzplastiken in Gold und Farbe von Anna und Joachim, den Eltern Marias, sowie Maria und Josef, begleitet von den Erzengeln Michael und Raphael sind um das grosse Altarbild (1855) – Verkündigung Mariens – lebendig gruppiert. Das goldene Relief der Basis zeigt die Geburt Marias im Heiligen Haus von Nazareth und Anna im Wochenbett, eine anmutig-intime häusliche Szene, frei geschnitzt nach dem Marmorrelief (1519/33) an der Nordfassade der Santa Casa in Loreto bei Ancona (It). Optisch zusammengefasst wird das Ganze von einem blauen Vorhang unter einer achteckigen Baldachinkuppel. Durch das «Engelsfenster» sieht man ins Innere des Heiligen Häuschens, dem eigentlichen Wallfahrtsziel.
Als christlicher Märtyrer kommentiert der Römerheilige Felix das um ihn herum sich abspielende Geschehen am Jüngsten Tag und die Vier Letzten Dinge – Tod, Gericht, Himmel und Hölle. Die Knochen des Heiligen befinden sich im Reliquienschrein, mit Stickereien und Drahtarbeit verziert. Vier Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Gregor, Hieronymus segnen die Pilger vom Deckenfresko.
Die Gottesmutter blickt auf Antonius von Padua, der das Jesuskind im Arm hält. Er ist Patron der Eheleute und der Vergesslichen. Dargestellt sind Episoden aus seinem Leben: das Hostienwunder mit dem Esel und die Fischpredigt. Weitere Heilige sind Sebastian mit Pfeil, Bruder Klaus mit Stock, Bruno mit Kreuz, Viehpatron Wendelin mit Hirtenschaufel, Rochus mit Pestbeule am Knie, Katharina mit Rad und zuoberst Johannes der Evangelist.
Der Rokoko-Altar (1760) birgt den Tabernakel und zeigt in einer Muschelnische eine Madonna mit Krone und Zepter als Himmelskönigin und das segnende Jesuskind mit der Weltkugel. Tafeln links und rechts zeigen zwei in Silber getriebene Figuren: Maria als Patrona Lucernae und St. Mauritius, Hauptmann der Thebäischen Legion, Märtyrer und Schirmherr der Stadt Luzern.
Ein Zyklus von 20 herrlichen Glasgemälden (1654/55) schmückt die Fenster der südlichen Langhausseite und der Seitenkapellen. Sie wurden vom Glasmaler Jakob Wägmann geschaffen, dem letzten bedeutenden Meister seines Kunsthandwerks in Luzern. Die Bilder – in Schmelzfarbentechnik – zeigen Episoden von der Geburt Marias bis zum Tod und zur Auferstehung Christi.
Bei den Portalbauten begrüssen uns – vor dem Felixaltar die lebensgrossen Bistumsheiligen Urs und Viktor, bei der Liebfrauenkapelle die Bischöfe Franz von Sales und Karl Borromäus. Oben empfängt Franz von Assisi die Wundmale durch Seile, die von den Wunden des «Christus seraphicus» ausgehen. Wenn der Pilger beim Betreten der Kirche empor schaut, erblickt er die monumentale Kreuzigungsgruppe mit Christus, dem sterbenden Erlöser, Gott Vater, Maria und Johannes sowie dem symbolträchtigen Pelikan.